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Die Preisträger der Klasse 9./10.

1. Platz: Samuel Richter, Hoyerswerda

 

Liebe Zukunft,

gerade sitze ich in der Schule und schreibe dir diesen Brief. Ich weiß nicht was mich erwartet und ich weiß nicht was alles mal auf mich zukommen wird, aber ich kann es mir vorstellen.

Zum Beispiel stelle ich mir jetzt vor, dass ich mich bei der Leag bewerben werde und dort meine Ausbildung anfange. Vielleicht klappt es ja. Was ich mir bei der Leag vorstellen kann, ist, dass es dort einen guten Ausbilder geben wird. Das weiß ich von meinen Freunden und Verwandten die auch dort ihre Ausbildung machen oder dort arbeiten. Ich möchte dort als Industriemechaniker anfangen und einen guten Job erledigen.

 

Das zu der Arbeit. Jetzt würde ich dir gerne etwas über mein Hobby Angeln erzählen.

Also ich gehe gerne angeln, am liebsten auf die großen Karpfen, nur leider habe ich noch keinen großen gefangen. Demzufolge würde ich gerne an einen schönen See mit einem guten Karpfenbesatz fahren und dort meinen ersten schönen, großen Schuppenkarpfen fangen. Davon träume ich schon seitdem ich angefangen habe zu angeln. Das gute ist, dass ich schon weiß wo es so einen See gibt. ich war da auch schon mal angeln, sogar mit dem Besitzer, hatte aber trotzdem leider kein Glück. Deshalb will ich es in ein paar Wochen nochmal versuchen und vielleicht habe ich dann ja Glück.

 

Ja, das Angeln ist schon ein sehr schönes Hobby und ich hoffe auch, dass ich später mal ein bisschen mehr Glück haben kann.

Wenn ich über Autos reden soll, dann bin ich bei den Straßenwagen ganz klar bei BMW. Mit 16,5 möchte ich meinen Führerschein machen und mir dann einen 1er BMW kaufen. Es soll ein Gebrauchtwagen sein, weil ich mir logischerweise einen Neuwagen dann noch gar nicht leisten kann. Er sollte auch nicht zu heruntergekommen aussehen. Irgendwie hat ja jeder so sein Lieblingsauto und ich bin gespannt was da noch kommen wird, was ich mit meinem Auto alles machen werde. Aber ich weiß, dass ist nicht das wichtigste im Leben. Irgendwas muss noch kommen was mich wirklich vom Hocker haut, wo ein neues Kapitel in meinem Leben anfängt, wo alles anders wird.

 

Ja, ich weiß nicht was mich erwartet, aber mal schauen was du für mich vorgesehen hast.

Liebe Grüße Samuel Richter


2. Platz: Nasim Saidi, Hoyerswerda (noch nicht freigegeben)


3. Platz: Jil Hakelberg, Kubschütz

 

Liebe Zukunft,

nach langem, meiner Ruhe mich beraubendem Gedankenspiel muss mein nun müder Geist sich Unwissenheit insofern eingestehen, als dass ich diesem Wort der Anrede keine Gestalt zuzuordnen vermag. Denn was ist die Zukunft, an die ich geschriebenes Wort hier richte, in altertümlicher Form, so scheint mir, die kaum mehr praktiziert und weniger noch wertgeschätzt wird, da weil die Zukunft selbst im schnellen, niemals rückgewandten Schritt dem Briefeschreiben abgeschworen? Ist diese Zukunft doch nur Morgen? Ein Sonnenaufgang, der dann schon doch als hiesig Jetzt sich plump entpuppt? Oder meint sie Ewigkeit zu sein? Ist sie klein und schmal, als mein persönlich Zeitenglas auszuweisen? Oder trägt sie Schicksale der Welt und Weltgeschick in ihrem Wesen?

Welche Worte gebieten Anstand und Höflichkeit mir zu wählen, als dass ich nicht weiß, ob Grausam-Sein oder Barmherzigkeite ihrem Gemüte nachzusagen? Ist die Zukunft einem Gotte unterstellt, sodass mein, von spottend Atheismus triefend Brief an himmlisch Pforten (welcher Himmel immer auch der rechte sei!) abgewiesen wird, bevor empfangen? Oder ist gar Zukunft selbst ein Gott, in launisch unbeständig Unberechenbarkeit begriffen? Wo doch schon bei der Anrede mein eigen Geschick Richtigkeit zu kennen ganz versagt, gehen meine Fragen weiter, denn ist dieser scheue Text letzten Endes nichts, als meiner Seele Sorgenschrift, die Hörung sich erbittet. Trotz legeren Tons von freimütiger Rederei und, von Peinlichkeiten angeleitet Ausgeschmücke aller Satzfragmente, sollen diese Zeilen doch nichts tragen, als das Inferno frei bekannter, keiner Antwort innehabender Fragengeister, deren solcher ich mir nicht einmal erhoffe. Denn ist die Antwort auf das Ungewisse nicht immer Traurigkeit und Unverstand? Doch genug von kindlicher Philosophie, die das Ungewisse kaum zu imponieren mag, denn wenn vielleicht als Impertinenz begriffen, muss ich sagen, dass die Zukunft Furcht verspricht, und Antworten nur dann, wenn ihr Wissen in natürlich Späte dem Fragesteller keinen Nutzen mehr zuträgt.

Und neben aller Fragerei, soll dieser Brief, wenn auch ungehört, Rechenschaft verlangen. So entsprang er jugendlichem Zorne über das Unverständnis der Welt, als dass dieser Zorne so viele Schuldige findet, dass auch die Zukunft selbst unweigerlich daran ihren Anteil trägt.

Warum, liebe Zukunft, die du dich in diesem Augenblick des Beiwortes, das ich dir gab, verwehrst, muss aller Fortschritt, den dein Sein begründet, auch stets den Tod des Alten in sich tragen, an falscher Stelle viel zu oft? Hat der Schwund der Sprache zu Einfachheit und Plumpheit hin, von eindrucksvollen, wunderschönen Satzkonstrukten weg, einen tiefen Sinn? Mündet nicht die Sprache ganz im Denken, das durch den Verfall einfachster Grammatik immer mehr an Kraft und Eindruck verliert? Gilt gleiches nicht für Umgangsformen und Geschichts-Gewahrheit? Wenn du, Zukunft, schon hastend am Zeitesstahl nach vorne springst, warum dann das Alte missen? Warum wiederholst du dich, in gefürchtet böser Weise und schwingst grölend Fahnen wutentbrannt im Herzen unseres Staates? Und wenn Vertrauen des anhänglichen Menschengeistes ungesund auf Technik und der Innovationen Hilfe vertraut, warum dann auch Verschwörungen, die um sich greifen? Wie kann weltenweiter Schrecken, in unsichtbarer Form geflucht, als Krankheit nicht nur Körper, doch auch Verstand befallen, und was wird sein, wenn diese zweite, noch viel schlimmere Krankheit des Verschwörungsglaubens weiter wuchert, Feuern gleich, die Flüchtlingslager schlingen? Wird mit dir, Zukunft, auch noch Humanität und Hilfe die Menschen erreichen, die außerhalb Europas Mauern lagern? Werden diese Mauern stürzen oder bald schon Stacheldraht und Minen tragen? Was wird mit der Politik geschehen, die jetzt schon oft unverständlich, Angst bereitend Narrenspiele gleicht, die ich zu verstehen scheitern muss? Werden diese großen Pioniere, die nach Mondgestein und Satellitennetzen greifen, der Wissenschaft verschrieben, irgendwann die eigne Welt erblicken, die auch ich zu zerstören mich beschuldige? Werden all diese Probleme, dieses Sterben von Vertrauen und Arktiseis und Altruismus und paralleles Wuchern von Hass und Angst und Müll und Unverstand sich in dir irgendwann verlieren, Zukunft? Einfach so? Ich selbst könnte all dies ändern, könnte selbst dich formen, doch in den riesigen Zukunfts- und Verwirrungsstrudeln treibt mein kleines Boot, das selbst mit winzig Löchern stark zu kämpfen hat. Zwar tragen sie nur schmale, wohlbekannte Namen, doch ihr gefördert Wasser trieft vor Salz:

Notendruck und Kurseswahl, Prüfungsflut und Praktika, Freundschaften und Liebesgeschichten und drumherum der ganze Rest - so befremdlich scheint all dieses Weltgeschehen, dass ich einzig mir zu helfen wusste, indem diesen Brief ich schrieb, an den einzigen Namen, der sichre Antwort mir versprach. Doch die wird ausbleiben, denn vielleicht wird's solche Antwort nun noch gar nicht geben, denn auch diese musst ich selbst mir schenken. Doch das bedeutet wohl, der Briefeschreiber selbst muss sich Geduldigkeit aneignen oder gar versuchen, Weltgeschehen in eigne Hand zu nehmen. Vielleicht also, fängt er bei eignem Boote an...

Liebe Zukunft, nun magst du, vorausschauend, wie es der Mensch von dir verlangt, erkannt haben, dass mein niedergelegtes Wort mehr noch als Anklage ein Geständnis eigener Ängste ist. Denn in Wahrheit fürchtet der Briefesschreiber selbst dich sehr, in welcher Form du scheinen magst. Sowohl auch die eigene, kleine Zukunft, als auch das Drehen der Erdenkugel, sind in Ungewissheit des nächsten Tages gefangen und bereiten Mulmigkeit mit jedem Strahl des neuen morgendlichen Sonnenlichts. Doch birgt dies ungekannte Ungenannte dennoch auch erregte Vorfreude und freudige Erregung, ohne deren Problem bringende Omnipräsenz der Tag sicher an Tristheit zu gewinnen hätte, denn trotz aller Sorgen, die du meiner Selbst bereitest, ist dort dieser kleine Kitzel eines jeden neuen Sonnenstrahles, der so viel warme Schönheit mir verspricht. Auf dass wir uns sehen, heute, morgen, und wann immer du da bist.

Dein Briefeschreiber

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