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Besuch des Schulmuseums in Wartha

12. 10. 2020

Die Mitglieder des Sprachrettungsklubs Bautzen nahmen am 29. September 2020 auf Schulbänken Platz. Nicht, dass sie es nötig gehabt hätten, Nachhilfe im Fach Deutsche Sprache zu bekommen. Mitnichten! Der Nachholbedarf liegt eher bei vielen sich gebildet gebenden Leuten, die sich meistens berechtigt dünken, ein wertvolles Kulturgut wie die Sprache zu verderben.

Und dennoch: Die Sprachretter waren in der Schule, im Schulmuseum „Korla Awgust Kocor“ in Wartha, einem anderthalb Seelen zählenden Dorf, in dem sich die Mitglieder des Heimatvereins „Radischka“ bemühen, Schulkindern wie auch längst der Schule entwachsenen Leuten einen Unterricht wie vor anderthalb Jahrhunderten nahe zu bringen. Zwar nur halb so weit zurück blicken auf persönliche Erinnerungen konnte der Behelfslehrer Sieghard Kosel, einstiger Schüler in Wartha, sozusagen ein Seiteneinsteiger, der über die Dorfschulen einst und jetzt referierte. Was bei ihm hieß: In freier, oft mit politischen Einschüben oder Seitenhieben zur gegenwärtigen Schulpolitik gespickter Rede schaute er an die Anfänge der Schulen auf den Dörfern der Oberlausitz zurück, verfolgte die Geschichte der Landschule bis zu Ende eines 1945 begonnenen persönlich erlebten Schulprojekts, das gleiche Bildung für alle Kinder und durchgängig aller zusammen bis zum Schulabschluss verhieß. Was im allgemeinen zutraf, galt auch für die Schule zu Wartha.1786 soll es in Wartha schon eine Schule gegeben haben. Sie war aber wie in eingepfarrten Dörfern allgemein eine Winkelschule .Winkelschulen waren üblich und eingerichtet worden, wenn die Entfernung vom Kirchort und der dortigen Kirchschule einen beschwerlichen Weg aufwies, die einzelnen Gemeinden nach einer eigenen Schule mit einer selbständigen Schulverfassung verlangten oder die Kirchschule überfüllt war. Die Kinder kamen aus armem Elternhaus, die Lehrer gelangten eher durch Zufall ans Lehrerpult. Fürwahr: Arme Kindlein! So auch ein Lehrer, der ab 1804 in Wartha Unterricht erteilte, dem die Schulbehörde attestierte, er sei „von allen pädagogischen Kenntnissen und Geschicklichkeiten entblößt“.

Die Rolle der Lehrer mitsamt ihrer sozialen Lage in Dorfschulen, die Gestaltung des Schulalltags, und, beim sorbischen Schulmuseum unbedingt zu behandeln: das Verdrängen des Sorbischen aus der Schule und dem Dorfalltag waren Gegenstand des Vortrags. Eine Zahl, die alles sagt: Gab es noch 1848 unter den 74 sorbischen Volksschulen 31 mit vorwiegend sorbischen Schülern (Wartha 92,6 Prozent),so war der Anteil hundert Jahre später auf weniger als ein Zehntel geschmolzen.

Der Sprachklub vergab anschließend eine Bildungsempfehlung: Besuch des Schulmuseums zu Wartha. Klassen- und generationsübergreifend!

Sieghard Kosel

 

 

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