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Sprachliches Gewand alternativer Fakten

30. 10. 2018

Unser Klubmitglied Sieghard Kosel fasst den Inhalt selbst mit diesen Worten zusammen:

Auch der monatlich im Sprachrettungsklub vorgetragene Beitrag zu Sprache und Sprachpolitik griff im Oktober ein Thema aus dem aktuellen Geschehen auf: Das sprachliche Gewand alternativer Fakten. Der Referent Sieghard Kosel, Journalist und ehemaliger Poltiker, legte dar, wie sich alternative Fakten über Jahrzehnte und Jahrhunderte verbreiteten und in welche sprachliche Form diese verkleidet wurden. Die erste historisch verbürgte Falschmeldung ist über 3000 Jahre alt. Es ist dies der in Stein gemeißelte Bericht von Ramses' Sieg über die Hethiter vom Jahre 1274 vor Christi (, obwohl eigentlich keine der beiden Seiten ein Sieger war).


Zu den alternativen Fakten gesellten sich Fake News, die der Referent als Geschwister der unseligen Famile der Lügenbolde nannte. Nicht nur mit der Präsidentschaft von Trump, auch mit der schnellen und massenhaften Verbreitung der sogenannten sozialen Medien sind alternative Fakten und Fake News ins Gespräch gekommen.


Die Abgrenzung zwischen beiden ist nicht leicht, doch soviel ist auszumachen: Bei Fake News ist der Autor oder Verfasser selbst von Anfang an davon überzeugt, dass es sich um eine Lüge handelt, während der Verfasser von alternativen Fakten oft daran glaubt, was er in die Welt setzt. Alternative Fakten haben einen Anknüpfungspunkt zur realen Welt, zum Fakt, um den herum sich der Verfasser seine eigene, eine fiktive Realität aufbaut.


Alternative Fakten werden verbreitet, wenn Gefühle und Gerüchte als Wissen und Fakten ausgegeben werden, wenn jemand Wissenslücken mit Ausgedachtem füllt, wenn man - dies geschieht vor allem im politischen Geschehen - den Versuch unternimmt, die Realität zu beschönigen oder unangenehme Fakten zu verdrängen oder wenn in öffentlichen Debatten versucht wird, alternative Fakten als rhetorischen Versuch der Entwertung anderer Standpunkte oder Meinungen zu äußern.

 

Das Perfide, Verfängliche für jenen Rezipienten, der nicht wachen, scharfen Verstandes ist, sei es gerade, dass es Falschmeldungen sind, die dem glaubwürdigen Journalismus sehr ähnlich sind, jedoch frei erfunden werden, um den Leser zu täuschen.


Sieghard Kosel schloß seinen Vortrag mit dem Hinweis auf Machiavelli, der einst schrieb: "Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr vom Eindrucke des Augenblicks ab, dass einer, der täuschen will, stets jemanden findet, der sich täuschen lässt."


Die Diskussion im Anschluss an Vortrag war lebhaft, konnten doch viele darüber berichten , wie alterative Fakten oder Fake News im engeren regionalen Umfeld in die Öffentlichkeit gesetzt wurden, und wie oft es viele Menschen nicht vermochten, diese als solche zu erkennen.

 

Foto: Foto: Diethold Tietz

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