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Sprache und Zensur im Wandel der Zeit

26. 02. 2019

20190228SNKoselVortrag

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(Text und Foto von Carmen Schumann in der Zeitung Serbske Nowiny vom 28.02.2019)

 

Deutsche Fassung:
Vor den Mitgliedern des Sprachrettungsklubs Bautzen sprach am Dienstag der frühere Journalist Sieghard Kosel über Zensur in der DDR. Zuvor blickte er aber tief in die Geschichte zurück und erinnerte daran, dass die Zensur gleichzeitig mit dem Aufkommen des Buchdrucks in Erscheinung trat, also bereits im 15. Jahrhundert. Damals waren es vor allem die Kirchen, die aus theologischen Gründen Verbote aussprachen. Später wurde politische Zensur ausgeübt, wobei die Preußen rigider gewesen seien als die Sachsen.

Sieghard Kosel verwies darauf, dass der Artikel 5 des Grundgesetzes "Zensur findet nicht statt" bereits 1949 in das Grundgesetz der BRD aufgenommen wurde. In der Verfassung der DDR gab es einen solchen Passus aber nicht.

Wie Kosel sagte, versuchten in der DDR verschiedene Institutionen, Einfluss darauf zu nehmen, was in der Presse oder in den Verlagen zu erscheinen hatte, darunter die Abteilung Agitation beim ZK der SED. Wichtige Artikel mussten dem ZK vorgelegt werden. Aber auch bei der SED-Kreisleitung in Bautzen gab es eine Abteilung Agitation und Propaganda, deren Mitglieder journalistisch ungebildet, aber machtbesessen waren, wie Kosel sagte. Auf jeden Fall versuchten sie auf die sorbische Zeitung Nowa Doba Einfluss zu nehmen.

 

Nach der Wende sei den damaligen Journalisten vorgeworfen worden, die Stasi hätte bei uns die Zeitung gemacht. Jedoch sei die Rolle der Stasi nicht so groß gewesen, wie sie im Nachhinein dargestellt wird. Vor allem die Publizistik sei relativ frei gewesen. Wenn Manuskripte eingereicht wurden, entschieden zwei Gutachter, ob sie gedruckt werden oder nicht. Manchmal diktierte aber auch die Papierknappheit, was gedruckt werden konnte oder welches Projekt fallengelassen werden musste.

Sieghard Kosel räumte ein, dass die Journalisten auch schon damals eine Schere im Kopf hatten. Dies sei die schlimmste Art von Zensur. Doch natürlich versuchte man auch die Zensoren auszutricksen, indem man beispielsweise Dinge in ein Manuskript oder Drehbuch hineinschrieb, wo man von vornherein wusste, dass dies gestrichen werden würde. Dafür konnte man aber andere Dinge lancieren, die einem besonders wichtig erschienen. "So funktionierte die Umgehung der Zensur in der DDR", sagte Kosel. Von Jurij Koch weiß er, dass dieser, weil er sich für Umweltpolitik engagierte, auf eine Liste von Schriftstellern gesetzt wurde, die im Zweifelsfall zu internieren waren.

Ein Zuhörer fasste treffend zusammen: "Bücher, die der Zensor versteht, gehören zurecht verboten!".

Text und Foto: Carmen Schumann

 

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