Sächsische Zeitung [online]
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Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung
Donnerstag, 14. Juli 2011

„Wir wählen die Strategie der fröhlichen Aggressivität“


Herr Tietz, wie geht es Ihnen, wenn Sie einkaufen gehen und überall englische Worte wie „Sale“ statt „Ausverkauf“ lesen?

Manchmal muss ich lachen. Denn vielleicht ist es ja gar nicht Englisch. Das französische Wort „sale“ bedeutet schmutzig, übel, quasi minderwertige Ware.

Also nützt es zum Anlocken von Kunden überhaupt nicht.

Genau. Aber die Verkäufer können ja oft nichts dafür. Große Ketten geben es so vor. Wir haben vor einigen Jahren in Bautzen Rundgänge gemacht und Händler darauf hingewiesen. Einige haben die Beschriftung tatsächlich umgestellt.

Und die Anderen haben Sie ausgelacht, dass Sie mit solch einem Anliegen kommen?

Nein, wir wurden nur sehr sehr selten ausgelacht. Schon als unser Klub gegründet wurde, gab es viel positive Resonanz. Bis heute haben wir einige sehr schöne Erfolge. Eher ist es so, dass andere Völker uns Deutsche auslachen.

Wieso das?

Weil wir so viele Worte aus anderen Sprachen übernehmen und quasi Sprachflucht begehen. Andere Völker entwickeln eigene Begriffe, wie beispielsweise „portable“ für das Handy im Französischen.

Aber wie überzeugt man die Menschen, dass Deutsch doch eine schöne Sprache ist?

Wir vertreten dabei die Strategie der fröhlichen Aggressivität. Wir gehen also nicht mit dem Holzhammer los, sondern loben eher als dass wir tadeln. In Bautzen verleihen wir schon seit einigen Jahren Auszeichnungen für kreative deutsche Begriffe. Und das ist bei Händlern, Geschäftsleuten und anderen inzwischen sehr beliebt.

Warum spielt Ihr Verein in Görlitz keine Rolle?

Darum haben wir uns bislang zu wenig gekümmert. Das könnte in Zukunft anders werden. Ein Mitglied aus Görlitz haben wir schon. Derzeit suchen wir nach Möglichkeiten, wie Görlitz in die „Straße der deutschen Sprache“ eingebunden werden kann, die bundesweit gerade geplant wird.

Gespräch: Jenny Thümmler