Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung Donnerstag, 14. Juli 2011
Der Kampf ums Deutsch
Von Jenny Thümmler
Den
jüngsten Bock haben die Organisatoren der Sächsischen Landesausstellung
geschossen. „Save the date“ stand in der Einladung zur Eröffnung. Als
Ratsarchivar Siegfried Hoche sich kopfschüttelnd wie weisungsgemäß den
Termin im Kalender ankreuzte, kam ihm eine Idee: Ein Blick in die
Görlitzer Geschichte, wie früher mit Fremdwörtern oder Anglizismen
umgegangen wurde. Im Ratsarchiv hat er seine Funde jetzt präsentiert.
„Schon im 17. Jahrhundert wurden Übernahmen aus Fremdsprachen
kritisiert.“ Leidenschaftlich fortgeführt hat dies dann Altmeister
Goethe im 19. Jahrhundert, bis sich „Maßnahmen zur Verdeutschung“ im 20.
Jahrhundert sogar in der Görlitzer Polizeiverwaltung fanden. Zur großen
Freude der Besucher seiner Veranstaltung nannte Siegfried Hoche
zahlreiche Beispiele, wie um 1915 Begriffe aus dem Geschäftsleben
umbenannt wurden: Antiquariat zu Altbuchhandlung, Büro zu
Geschäftszimmer, Konditorei zu Feinküchlerei und Masseur zu Heilkneter.
Doch das Problem blieb. Bis heute, da Anglizismen und Amerikanismen den
Alltag bestimmen. So sehr, dass Lehrer in Grundschulen gemeinsam mit den
Kindern englischsprachige Wörter suchen, die völlig selbstverständlich
benutzt werden. „Wir staunen immer wieder, was wir da alles finden“,
sagt Kerstin Wilke, Leiterin der Neißegrundschule, und nennt
Bilderbuchbeispiele wie Handy, Computer, cool und Manager. Vor allem,
wenn die Kinder ältere Geschwister haben, rutsche ihnen oft ein
englisches Wort über die Lippen.
Einer, der seit Jahren dagegen ankämpft, ist Historiker Ernst
Kretzschmar. Nahezu jeden Monat veröffentlicht er im Stadtbild-Magazin
seine Ansichten über die Amerikanisierung. „Es hängt mit der
Globalisierung zusammen“, sagt er. „Mich regt es auf, wenn
Geschäftsleute meinen, man sei modern, wenn man viele englische Begriffe
verwendet.“ Vor allem, wenn deutsche und englische Wörter zu neuen
Begriffen vermischt würden. Der Trend amerikanischer Vornamen für Kinder
sei genauso ärgerlich. Er werde oft auf der Straße angesprochen zu
seinen Kolumnen und gelobt. „Ich finde es dann immer schade, dass sich
nicht mehr Menschen entsprechend äußern“, sagt Ernst Kretzschmar. Denn
einen Sprachrettungsklub, wie es ihn seit 13 Jahren in Bautzen gibt, hat
Görlitz nicht.
S. a. Auf ein Wort